Mittwoch, 28. April 2010 13:37
So einiges habe ich grade gelesen.
Der Artikel (wohl eine Art Studie – hier der Link) zeigt so einiges auf: Viele Jugendliche sind internet- und mediensüchtig. Viele Erwachsene (“Ältere”) verstehen nichts von der neuen Welt. Eltern sollten besser erzogen werden. Lehrer resignieren. Das Internet bietet neue Möglichkeiten, kurz, die Welt verändert sich.
Ist Euch (= meine lieben Leser/mein lieber Leser) immer gegenwärtig und bewusst, dass das, was ich, was wir ins Internet bringen, hier mehr oder weniger für immer und für jedermann sichtbar ist? Nein. Ganz sicher nicht. Aber das macht nichts, weil wir es grundsätzlich wissen, wir haben uns damit schon mehrfach (häufig!) beschäftigt und schreiben nichts blind – wir überlegen. Viele Dinge schreibe ich hier nicht, poste auch keine Bilder (mit mir), weil ich weder mich öffentlich stellen noch diese Seite mit mir füllen will.
Bücher liest Emre keine.
Hat das etwas mit dem Internet zu tun? Mit zu hohem Medienkonsum? Nope. Never. War bei uns auch nicht anders, mit 16 war das uncool (Naja, zumindest wenn man sich den Durchschnitt anschaut, auch ich hab Bücher gelesen).
In der “Studie” werden unglaublich viele Dinge vermischt: Kinder seien schlechter in der Schule – weil sie nur noch überfliegen, nicht genau lesen. Blödsinn. Mehr Medienkonsum wurde schon immer mit schlechteren Leistungen in Verbindung gebracht, das ist aber viel zu oberflächlich betrachtet. Dass Kindern so viele Informationen vorgesetzt werden, schult eine völlig neue Art von Filtersystem für ihr Gehirn. Mehr Inhalt in weniger Zeit – soll das unser Gehirn nicht mehr können? Sicher nicht. Nur – wenn es auf Genauigkeit und jedes Wort ankommt, bei einem Gedicht zum Beispiel, dann muss man umschalten können.
Das Handy, [...] nachts bei den meisten unter dem Kopfkissen. Es ist das letzte Ding, das sie vor dem Einschlafen sehen, und das erste, das sie morgens anfassen.
Hallo? Bei wem denn nicht? Nur weil mein Handy eine Uhr, einen Wecker und eine Taschenlampe integriert hat, wird dies hier verteufelt – mal ehrlich, das ist doch nicht wirklich bedenklich, oder?!
Schulleiter beschweren sich darüber, dass Inhalte nur noch digital gelesen werden, es soll problematisch sein, dass Jugendliche Zeitungen nur im Internet anschauen und die Print Edition für alt halten.
Woher kommt die ganze Problematik? Eltern sind schuld – meine Meinung. Sie sind selbst schuld, weil sie sich nicht richtig – oder überhaupt nicht – mit den neuen Inhalten und Medien beschäftigen und daher unfähig sind, ihren Kindern eine sinnvolle Nutzung beizubringen. Der Artikel beschreibt gut, wie viele Kinder im Konsum untergehen und das für natürlich halten. Wenn mir niemand sagt, dass es problematisch ist, meinen Lehrer zu filmen und das ins Internet zu stellen – dann mache ich es doch selbstverständlich, es IST nun mal lustig!
Gleichzeit finden Jugendliche aber auch schnell eigene Regeln. Wer über 16 ist, wird als Kontakt nicht angenommen, sagt eine 14-jährige. Oder man akzeptiert Männer gleich gar nicht. Zwei einfache Regeln, aber ich will nicht wissen, was die beiden alles lesen durften, bevor sie darauf gekommen sind. Eltern könnten hier viel leisten.
Ein Kommentar lautet:
danke für diesen wirklich tollen artikel!
mir gefällt vor allem, dass er ziemlich neutral gehalten ist und nur den zsutand beschreibt, ohne die übliche euphorie oder panikmache.
Okay, der hat nicht mitgelesen. Vielleicht der nächste:
Ich schätze sehr am obenstehenden Text, dass er versucht, die tatsächliche Mediennutzung detailreich zu dokumentieren. [...]
Schon besser, aber auch ziemlich falsch. Noch mal deutlich: Wer den Artikel liest, und sagt, er sei NEUTRAL, der hat zu viele Medien konsumiert und liest deswegen nur noch zu oberflächlich. Vielleicht ist der Artikel tatsächlich in dem Sinne relativ neutral, als dass er keine Bewertungen vornimmt. Das ist aber nicht das Hauptkriterium, sondern nur eine Voraussetzung für neutrale Berichterstattung. Viel entscheidender ist, WAS er neutral beschreibt. Und dieser Artikel ist so ungemein einseitig, dass er nur eine Schlussfolgerung zulässt:
Medienkonsum macht unsere Kinder kaputt. Das bisschen gute ist vernachlässigbar.
Gegenstimmen höre ich gerne. Schon allein die fettgedruckte Zusammenfassung zieht alles in einen “scheinbar” negativen Zustand. Der Tag der Jugendlichen wird so dargestellt, als sagten sie kein Wort mehr, seien nur noch “Mumien” mit iPod und Handy – unterhalten die Jugendlichen sich nicht mehr? Arbeiten sie nicht in der Schule mit? Gibt es nicht solche und solche? Das wären Fragen, die geklärt werden müssen, wenn man einem Jugendlichen so scheinbar vom Aufstehen bis zum Schlafengehen folgt. Wenn ich nur Lehrer interviewe, die noch nie bei Twitter waren, kann ich natürlich nichts erwarten. Und dass Plagiate an Schulen noch immer ein Problem sind – das ist die Schuld der Erziehung und der Lehrer. Ein Schüler hat schon immer versucht, sich die Arbeit zu ersparen, sei es durch Abschreiben beim Nebensitzer oder im Internet. Der Unterschied: Eines merken die Lehrer häufig – und ich denke jetzt nicht an den Nebensitzer…
Aussagen, die vor 10 und 20 Jahren schon galten (“ich lerne ohnehin nicht viel, ich merke mir alles in der Schule” – und – “Ich bin jeden Tag gleich lange am Computer. Habe ich eine Prüfung, schlafe ich einfach weniger”) gehören nicht in einen solchen Bericht, Erwachsene glauben dann, hier würden Eigenarten von süchtigen Jugendlichen beschrieben werden.
Viel fatales wird leider in dem Artikel geschrieben, das man hin und wieder zwischen viel Unsinn findet – aber alles kann durch bewusste Erziehung im Umgang mit modernen Medien gestoppt werden, meine ich. Kinder müssen sich der Probleme einfach bewusst sein, dann klappt das schon. Eltern vielleicht sogar Familien- oder Verbraucherinstitute, vor allem aber auch die Schulen.
__ Manchmal schreibe ich lange eMails. Manchmal weiß ich nicht, was ich schreiben soll – dann schreibe ich auf’s Hömmel.
Ich entschuldige mich für die semi-wissenschaftliche Weise, wie ich den Artikel beschrieben bzw. analysiert habe. Was ich sagen will wird vielleicht klar. Und sorry für die Formatierung. Aber vielen Dank an alle, die so weit gelesen haben. Und schämt euch, wenn ihr nur alles überflogen und bis zum Ende gescrollt habt – ihr seid doch alle internetsüchtig!