Mein Leben – Das große Schachspiel

Folge 1: Reaktionen berechnen

Kennt ihr das? Man sitzt rum, oder macht Hausaufgaben oder man ist gerade beim Einkaufen oder fährt gerade im Auto – aber plötzlich kommt euch der Gedanke: “Was macht eigentlich gerade Praum?” (Praum ist eine zufällige Person und Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind nicht in seinem – oder ihrem – Namen zu suchen. Er ist lediglich entstanden, da die Tasten bequem zu erreichen sind. Anders als beispielsweise Xaübwim, darum ist Xaübwim auch böse.)

Ein völlig gewöhnlicher Gedanke… Glaube ich… Was macht eigentlich gerade Praum? Man könnte Praum jetzt natürlich anrufen, ihn fragen, oder am nächsten Tag fragen, oder einfach vorbeifahren und nachschauen, oder den Gedanken schlicht wieder vergessen. Es macht keinen Unterschied, was Praum gerade tut, der Tag geht weiter… Für’s erste.
Beim Schach sind solche Gedankengänge absolut typisch. Was macht der Springer? Was hat der Turm vor? Wieso sitzt der Bauer da und schlägt mich nicht? Was macht Praum? Zuvor kommt jedoch üblicherweise der Gedanke “Wenn ich das mache… Was macht dann Praum?”. Neben der Mathematik wohl die reinste Art der Logik, die man finden kann. Wenn … Dann… Dann… Falls… Dann… Vielleicht… Hoffentlich. Beim Schach ist das schön und gut, man überlegt, wenn man weiß was Praum macht kann man entweder den gewünschten Zug ausführen oder einen anderen suchen, falls einem nicht gefällt, was Praum vorhat. Aber beim menschlichen Praum geht das natürlich nicht – oder nur schwer, wenn man vom Determinismus ausgeht.

Was tue ich also, wenn ich hier vor meinem Computer sitze, mir überlege was Praum macht und als guter Schachspieler (…hoffnungsloser Perfektionist) natürlich auch eine Lösung für mein Problem brauche. Kann ich einfach jeden anrufen und fragen “Hey, was machst du grade”? Klar kann ich. Mach ich aber nicht. Zumindest nicht immer. ;-)

Wir waren ja bereits bei der Ebene “Was macht Praum, wenn ich das mache?”. Dies ist auch direkt übertragbar: Ich sitze hier und denke mir, ich muss Praum doch mal etwas ganz wichtiges fragen. (Oh, und um dem jetzt gleich vorzubeugen… Nein, ich schreibe das hier nicht aus Liebeskummer.) Wieder legt sich irgendwo in meinem Hirn ein Schalter um und ich fange an, nach der logischsten Lösung zu suchen. Was wird Praum antworten? Nun, mit 100% Sicherheit werde ich die richtige Lösung natürlich nicht finden, dazu müsste ich schon tatsächlich fragen. Aber was, wenn ich eine Lösung finde… Weil vorher höre ich nicht wieder auf, darüber nachzudenken.

Hier gibt es nun zwei Optionen:

a) Ich komme zu einer Antwort von Praum, die mir gefällt. Super, Problem gelöst. Folge ist nur für gewöhnlich, dass ich die Frage jetzt gar nicht mehr stellen brauche, weil ich die Antwort ja schon kenne, außer sie entspricht nicht meiner Überlegung, was ja bedeuten würde, dass mir die Antwort nicht gefällt. Hier siehe b)

b) Ich komme zu einer Antwort von Praum, die mir nicht gefällt. Das ist nicht gut. Wirklich nicht. Mein Zug war falsch, sagt mir meine Logik jetzt. Folge? Nun, entweder ich frage trotzdem und bekomme eine Antwort, die mir nicht gefällt, was ich aber gar nicht will, oder ich frage nicht und werde auch nicht von Praum enttäuscht. Logisch, nicht? Ich suche einfahc nach einer neuen Frage.

Keine Ahnung, ob das “Problem” hierbei irgendwo deutlich wird. Zurück zum Ausgangszustand: Ich sitze hier und überlege mir, was Praum gerade macht. Ich will Praum etwas fragen, ich überlege mir wie Praum antworten könnte und komme zu einer Lösung. Die Lösung beinhaltet, dass ich Praum nicht frage. Folge: Ich sitze hier. Mööp.

Wichtig wäre vielleicht zu sagen, dass es verschieden Arten von Fragen gibt. Wenn ich einfach nur eine Ja-Nein Antwort stelle, ist für jeden offensichtlich, weshalb ich nicht fragen muss, wenn ich mir sicher bin, welche Antwort ich erhalte. Bei Nein will ich es gar nicht wissen und bei Ja weiß ich es ja schon, brauche nicht mehr fragen. Es gibt aber auch fragen, bei denen ich wirklich Informationen brauche, die ich nur in einem Gespräch erhalten kann. Meine jedem anderen Menschen überlegene Logik (*g*) bringt mich aber dazu, zu glauben, ich wüsste, was mein Gegenüber sagen wird. Oder zumindest fallen mir genug (mehr als genug, viel zu viele, um ehrlich zu sein) Antworten ein, die mich davon überzeugen, dass ich es gar nicht hören will. Ich weiß die Antwort als nicht, die Wahrscheinlichkeit für eine unangenehme Antwort ist aber so groß, dass mir die Logik die Frage verbietet. Der mögliche Gewinn gleicht das Risiko nicht aus.

Beim Schach gibt es noch einen anderen Grund, weshalb man zieht. Die Zeit. Sollte ich keinen Zug finden, von dem ich überzeugt bin, dass es das beste ist, was ich in der aktuellen Stellung tun kann, dann ziehe ich früher oder später trotzdem. Am Anfang (vielleicht morgens, mittags?) erst später, am Ende, wenn die Zeit ausgeht (Abend? Oder genau andersherum…) ziemlich schnell. Die Zeit darf nicht ausgehen.

Das heißt also, es geht voran. Im Schach. Und zwar unbedingt. Andernfalls “fällt” die Zeit, was sofort zum Ende führt und alle Überlegungen nichtig macht. Aber muss ich irgendwann fragen, wenn ich hier sitze und über Praum nachdenken? Nein. Zumindest scheinbar nicht. Immer, wenn ich keine Zeit mehr habe, über die Antworten von Praum, über die Gespräche in meinem Kopf also, nachzudenken, mache ich einfach mit meinem Leben weiter. Schule. Schlafen. Essen. Mich über Xaübwim ärgern. Fragen muss ich nie, meine Zeit scheint ja unendlich.

… oder ist es irgendwann zu spät, zu fragen?

So, für alle die jetzt gar nichts verstanden haben (aber nur für die!) eine Diskussion (un-)abhängig vom Thema:

Macht es irgendeinen, wenigstens den kleinsten Sinn, egal in welcher Situation, Gedanken über den Verlauf eines Gesprächs zu machen? Ja? Nein? Wo ist die Grenze? Wo verliert sich der Sinn? Was ist zu beachten? Könnt ihr überhaupt denken? Wie viel ist drei mal fünf hoch siebenundfünfzig? Wenn der Mond so stark ist, wieso fliegen wir dann nicht alle nach oben? Löst Alkohol (m)ein Problem? Sollten solche Schriften veröffentlicht werden? Muss ich Korrektur lesen, bevor ich etwas im Hömmel poste?

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Autor: Jesus
Datum: Dienstag, 18. September 2007 22:32
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5 Kommentare

  1. 1

    Da Hoch, vor Punkt, vor Strich gilt: ~2,08×10^40.

  2. 2

    Erinnert mich stark an Homo Faber…. oO

  3. 3

    Nicht mal im Ansatz…

    Anyway, ich werde deine Fragen nicht beantworten,w eil ich verstanden habe, was du sagen willst…

    Ich frage meistens trotzdem, weil ich beim nachdenken über den Gesprächsverlauf meist ein “worst-case scenario” konzipiere und dann unglaublich begeistert bin, wenn etwas besseres rauskommt :D

  4. 4

    @ Rod: Du hast die Klammern vergessen… Wir rechnen von links nach rechts :P Erst drei, dann mal, dann fünf, usw…

    @ Bobo: … Nein, lassen wir das…

    @ L&RHdT: (Mh, wie wäre LuRHdT –> Lurht? :P )
    Eine eine uns allen bekannte Person zu zitieren: “Gibt es eigentlich irgendwas in deinem Leben, das dir Spaß macht?” *gg* … Aber es wäre vielleicht wirklich gar kein schlechter Gedanke… Ich werd aber wohl doch besser bei einer optimalen Lösung bleiben, die zu erreichen völlig unmöglich ist, weil idealisiert, was immer nur zu Enttäuschung führen kann ;-)

  5. 5

    Mein Leben macht im allgemeinen viel Spaß… außer bei allzu variablen Gesprächsverläufen…

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